Biomechanische Arbeitsplatzanalysen zur Verbesserung der psychischen und physischen Gesundheit

Arbeitsplatzanalyse Portable Lab

Ergonomische Untersuchungen von Arbeitsplätzen mit 4.0 Technologien

Die Analyse von Arbeitsplätzen mit biomechanischer Messsensorik steckt noch in den Kinderschuhen. Zurzeit werden subjektive Bewertungen nach unterschiedlichen Bewertungsverfahren durchgeführt. Die Bewegungen der Mitarbeiter werden schon vereinzelt von Inertialsensorsystemen erfasst und durch Avatare dargestellt. Wie hoch die körperliche Beanspruchung ist, wird jedoch weder separat, noch in Kombination mit den Bewegungen erfasst. Die am häufigsten zu analysierenden Arbeitsplätze befinden sich in der Produktion und betreffen somit alle Unternehmen, egal welche Produkte produziert werden.

Die Messung von Beanspruchungsdaten gekoppelt mit 3-dimensionalen Bewegungsdaten stellt einen essenziellen Ansatz der ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung dar. Der Arbeitsplatz braucht heutzutage nicht mehr in einem Hightechlabor nachgestellt werden, sondern durch die Integration der biomechanischen Messsensorik in einem Messkoffer „Portable Lab“, kann der Mitarbeiter frei in seiner Bewegung und in seinem gewohnten Arbeitsablauf getestet werden. Es wird keine lange Vorbereitungszeit durch den Aufbau benötigt. Mit dem portablen Labor kann eine direkte Messbereitschaft gewährleistet werden und dies ohne große Beeinträchtigung des Mitarbeiters an seinem Arbeitsplatz. In der Praxis erlaubt dies eine ganzheitliche Analyse der Körperhaltung und der muskulären Beanspruchung für bestimmte Tätigkeiten und Arbeitsabläufe.

Bei den elektromyographischen Messungen können psycho-physiologische Beanspruchungen quantifiziert werden und dabei helfen, erhöhte Muskelspannungen oder Muskelverspannungen (z.B. Schulter, Trapezmuskel) durch Zwangshaltungen oder Stress zu identifizieren. Die Ergebnisse der EMG-Diagnostik helfen dabei, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Gezieltes Biofeedback hilft dabei, verspannte Muskeln wieder zu entspannen und zu einer natürlichen Haltung zurück zu finden. Die EMG-Messung ist ein nützliches Tool, um Arbeitsabläufe hinsichtlich ihrer körperlichen Beanspruchung zu beurteilen und abgeleitete Arbeitsplatzumgestaltungen (z.B. der Einsatz von Hebehilfen) zu validieren.

Datenauswertung

Die Bewegungsdaten können anhand des bekannten Rapid Upper Limb Assessment – Verfahrens (RULA) ausgewertet werden. Dadurch wird ein Ampelschema erstellt, was die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung des Arbeitnehmers durch den Arbeitsplatz einstuft. Basierend darauf können dann die relevanten Arbeitsschritte im Detail analysiert werden.

Verbesserung der psychischen und physischen Gesundheit der Mitarbeiter

Im folgenden Abschnitt wird das Verlaufsschema einer ganzheitlichen Arbeitsplatzumgestaltung, mit dem Ziel die psychische und physische Gesundheit der Mitarbeiter/innen zu verbessern, ausführlich erläutert.

Abbildung 1: Verlaufsschema einer ganzheitlichen Arbeitsplatzumgestaltung, mit dem Ziel die psychische und physische Gesundheit der Mitarbeiter/innen zu verbessern.

Einer der wichtigsten Faktoren ist die Einsicht der Führungsebene des Unternehmens (1). Erst wenn erkannt wurde, dass Probleme bei den Arbeitsplätzen ihrer Produktionsmitarbeiter bestehen und die Lösung durch eine Arbeitsplatzanalyse erreicht werden kann, ist überhaupt eine Verbesserung möglich. Diese Einsicht ist zurzeit leider noch bei wenigen Firmen der Fall. Die Verantwortlichen holen sich externe Hilfe und Fachkräfte ins Haus, die mit objektiven Analysen die Arbeitsplätze messen (2). Die Arbeitnehmer merken dadurch, dass ihre Arbeit geschätzt wird. Die Wertschätzung ihrer Arbeit erzielt die ersten positiven Effekte auf die psychische Gesundheit der Mitarbeiter/innen (3).  Mit den Ergebnissen der biomechanischen Analysen und einem Ergonomieexperten können die Arbeitsplätze verändert werden. Beispielsweise können höhenverstellbare Montagetische angeschafft werden, die Positionierung des Werkzeugs so verändert werden, dass der Mitarbeiter bei der Nutzung nicht in gelenkschädigenden Winkelstellungen arbeiten muss, oder die Arbeitsmaterialien gezielter angeordnet werden, sowie der Arbeitsbereich strategischer gestaltet wird. Dadurch kann das Risiko einer Erkrankung des Mitarbeiters und körperliche Beschwerden reduziert werden (4). Jedoch kann nur eine Kombination aus Verhältnis- und Verhaltensprävention zum gewünschten Erfolg führen. Deshalb werden parallel Workshops und Schulungs-/ Trainingsmaßnahmen zu ergonomischen Haltungen und Bewegungen durchgeführt. Individuelle Verhaltensänderungen werden erlernt. Dabei wird zuerst der Ist-Zustand anhand der Aufnahmen des Bewegungsanalysesystems und der Videodokumentation aufgezeigt. Denn auch die Einsicht der Mitarbeiter ihre Gesundheit durch ergonomisches Bewegen zu schützen, muss erreicht werden. Ohne die Einsicht der Mitarbeiter kann der Soll-Zustand nicht erreicht werden. Von daher stellt der abschließende Workshop eine essenzielle Rolle dar (5).

Schlussendlich ist das Ziel die psychische und physische Gesundheit der Mitarbeiter zu verbessern und das Risiko einer Erkrankung des Arbeitnehmers durch den Arbeitsplatz mit Maßnahmen in der Verhaltens- und Verhältnisprävention zu verringern.  Wenn durch die Arbeit keine körperlichen Schäden entstehen, geht der Mitarbeiter mit einer positiveren Grundeinstellung zur Arbeit. Somit wirkt sich die physische auf die psychische Gesundheit positiv wie auch negativ aus.

Fazit

Mit Hilfe der ergonomischen Arbeitsplatzanalyse durch die Technologien des Portable Labs lassen sich direkte Verbesserungen der physischen Gesundheit von Mitarbeitern in der Produktion erreichen. Indirekt sind in folgenden Punkten Verbesserungen der psychischen Gesundheit festzustellen:

  • Wohlbefinden am Arbeitsplatz durch Verringerung der körperlichen Beanspruchung
  • Senken der Sorgen um arbeitsbedingte Verletzungen bzw. Schäden durch ergonomisch schlechte Bewegungen
  • Senken von Druck auf Mitarbeiter durch Veranschaulichung der Wirtschaftlichkeit von gesunden und zufriedenen Mitarbeitern gegenüber der Unternehmensführung
  • Das Gefühl der Mitarbeiter/innen, dass ihre Arbeit wertgeschätzt wird

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