Muskelfunktionsmessung per EMG und
dreidimensionale Bewegungsanalyse durch Ultraschall
Ein neues Evaluations- und Trainingskonzept für die Praxis
Termin: in Planung
Ort: Institut für Bewegungsanalyse IBQ der Kaiser-Karl-Klinik
Bonn
Fortbildungspunkte: 7
Referenten:
Dr. Axel Seuser, CA Dr. Matthias Schuhmacher
Bonn, Institut für Bewegungsanalyse Kaiser Karl Klinik
Tagesseminar mit praxisnaher Demonstration, anschaulichen Durchführungshinweisen, Strategien zur Interpretation, konzeptionellen Einbindung und Abrechnungsmöglichkeiten für Kliniker – 7 Fortbildungspunkte.
Erfahrungsbericht des Instituts für Bewegungsanalyse IBQ
der Kaiser-Karl-Klinik, Bonn
Unter der Leitung von Herrn CA Dr. Axel Seuser und Herrn Prof. G. Schumpe
hat das Institut für Bewegungsanalyse IBQ der Kaiser-Karl-Klinik in Bonn
eine innovative Methode zur Muskelfunktionsdiagnostik entwickelt, nach welcher
dort seit einigen Jahren 500-600 Patienten jährlich erfolgreich behandelt
werden. Dieser Erfolg wirkt sich auch auf die Kosten-Nutzen-Bilanz positiv
aus.
Im folgenden Erfahrungsbericht wird das Konzept vorgestellt und beschrieben
wie und was gemessen wird und welchen Effekt die Analysen auf die Therapieeffizienz
haben.
Therapieoptimierung durch präzise, direkte und
objektive Analyse der Muskelfunktionsstörung
mit Muskelfunktionskonzept
Wie kann man EMG zur Therapieoptimierung nutzen?
In der Orthopädie und am Bewegungsapparat werden bisher nur wenige in den Therapiealltag integrierte Messungen bzgl. des Muskelprofils durchgeführt. Dadurch bleiben grundsätzliche Dysfunktionen im Rahmen von Bewegungsstörungen verborgen. Auch können viele Befunde durch das klassische orthopädische Untersuchungspotential nicht aufgedeckt werden. Hier kann das EMG als Screeningverfahren zur Aufdeckung muskulärer Dysbalancen wichtige Aussagen liefern, um ein genaueres Bild über den Muskelstatus zu geben. Dieser ist bei jedem Patienten und jeder Verletzung/ Operation auf andere Weise gestört. Das EMG gibt uns einen Hinweise, wie die Therapie auf die persönliche Funktionsstörung abgestimmt werden kann und schließt so eine Lücke in der Funktionsdiagnostik. Gleichzeitig dient es als reliables Qualitätskontrollwerkzeug zur Überprüfung der Therapieansätze. Der Therapieerfolg wird sichtbar durch Vergleich der Messungen bei Aufnahme und Entlassung und als solcher präzise dokumentiert.
Ein weiterer großer Vorteil ist die Untersucherunabhängigkeit und die Standardisierung der Methode durch praxiserprobte Untersuchungsprotokolle. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit einer effizienteren Therapiekontrolle und optimierung.
Wie messen wir?
Mit Hilfe der Elektromyographie werden die elektrischen Aktivitäten der Muskulatur um Millivoltbereich gemessen. Wir leiten die Muskelströme von der betroffenen Muskulatur ab, beim Hüftpatienten z.B. von den für die hüftbiomechanik sehr bedeutsamen Abduktoren (M. Glutaeus medius).
Für jeden Gelenkbereich wird ein spezifischer Untersuchungsgang in drei
Schritten durchgeführt.
1. Ruhetonus (misst die Muskelaktivität im Ruhezustand)
2. Isometrie (misst die maximale Innervationsfähigkeit des Muskels
gegen einen statischen Widerstand
3. Konzentrik (misst den muskulären Status während einer
typischen Bewegung des Muskels
Ausgewertet wird die Summe der aufgenommenen Muskelströme in Mikrovolt.
Das wichtigste Kriterium dabei ist der prozentuale Unterschied im Rechts/Links-Vergleich.
Idealerweise ist der Körper symmetrisch aufgebaut und die Seitendifferenzen
gleich Null. In der Praxis werden bei diesem Übungsablauf aufgrund von
Erfahrungswerten und bereits durchgeführten Studien Seitendifferenzen
unter 20% als nicht signifikant eingestuft.
Direkt nach Ihrer Aufnahme wird ein solches Muskelfunktionskonzept durch das Institut für Bewegungsanalyse und Qualitätskontrolle(IBQ) am Bewegungsapparat durchgeführt. Die Auswertung der Analysen zeigt die spezifischen muskulären Störungen des Patienten. Aufgrund dieser Störungen kann ein persönliches Therapieprogramm erstellt werden. Um den weiteren Therapieverlauf zu kontrollieren, wird die Untersuchung wöchentlich bis zur Abschlussuntersuchung wiederholt.
Beispiel: EMG-Analyse Hüftmuskulatur
1. Ruhetonus
Ausgangsstellung in Bauchlage
Pathologie
Erhöhte Ruhetonuswerte (mehr als 2 MicV)
Links-/Rechtsdifferenz
Therapie
Senken des Ruhetonus
2. Funktionstest
Ausgangsstellung
Im Sitz, Sitzhöhe relativ hoch
Bein wird abduziert und adduziert
zuerst betroffene Seite, dann nicht betroffene Seite
Pathologie
Links-/Rechtsdifferenz.
Weiterfeuern in Entspannungsphase
Ungleichmäßiges An- und Ausschalten
Fehlende Ko-Kontraktion (der Gluteus medius der Gegenseite versucht bei agierendem
Gluteus medius der aktiven Seite, das Becken zu stabilisieren, um ein Abheben
des rechten Beins ohne Kippung des Beckens zu gewährleisten)
Therapie
Funktionelle isotonische Kräftigung des schwächeren Gluteus medius
Trainieren der Ko-Kontraktion
3. Isometrische Kontraktion
Ausgangsstellung
Im (Hoch)Sitz
Beide Beine gegen Widerstand abduzieren
Pathologie
Links-/Rechtsdifferenz
unterschiedliches Timing
abfallendes Kontraktionsniveau
mangelnde Entspannung nach Kontraktion
Therapie
Maximale Kräftigung des schwächeren Gluteus medius
Muskelfunktionskonzept plus Biofeedback-Therapie!
Voruntersuchungen haben gezeigt, dass es einen großen Vorteil bringt, wenn eine EMG-gesteuerte Biofeedback-Therapie erfolgt. Deshalb wird 1-2 mal pro Woche ein Biofeedback-Training mittels EMG durchgeführt. Hier bekommt der Patient nun Bewegungsaufgaben, die er anhand der von ihm produzierten Kurven und Kurvenvorgaben erfüllen kann. Dabei wird er 1:1 von speziell ausgebildeten Sportwissenschaftlern und Therapeuten betreut. Das Ergebnis aller Untersuchungen ist optimal dokumentiert und kann so Patient, Arzt und Krankenkasse zur Verfügung gestellt werden.
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Erfahrungsbericht als PDF ...
